Karzinom der Schilddrüse

Schilddrüsenkrebs ist die häufigste bösartige Erkrankung endokriner Organe. Epidemiologische Studien konnten zeigen, dass in den letzten Jahrzehnten die Häufigkeit besonders bei jungen Patienten zugenommen hat. 

Tumoren der Schilddrüse können in 4 Hauptgruppen, je nach Häufigkeit, unterteilt werden:

-) papilläres Schilddrüsenkarzinom

-) follikuläres Schilddrüsenkarzinom 

-) medulläres Schilddrüsenkarzinom 

-) anaplastisches Schilddrüsenkarzinom


Die Ursachen für die Entstehung von Schilddrüsenkarzinomen ist nicht vollständig geklärt. Definiert sind hingegen verschiedene Risikofaktoren, wie Jodmangel, Strahlenbelastung (Tschernobyl, Fukushima) und genetische Prädisposition. 

Die meisten Patienten mit einem Schilddrüsenkrebs haben wenig bis kaum Beschwerden. Am häufigsten werden Knoten entweder am Hals oder im Bereich der Schilddrüse von den Patienten bemerkt. Heiserkeit oder Atembeschwerden sind späte Zeichen, und zeigen dass Tumorzellen den Stimmbandnerv angegriffen haben und somit die Funktion der Stimmlippen beieinträchtigen oder dass der Tumor auf die Luftröhre drückt. Im allgemeine gilt, dass bösartige Knoten kaum verschieblich, derb aber selten schmerzhaft sind.

Die Untersuchung und diagnostische Aufarbeitung gleicht jener, wie bereits im Kapitel für Schilddrüsenknoten beschrieben wurde.

Die Therapie der Wahl bei Schilddrüsenkrebs ist die vollständige Entfernung der Drüse und bei Befall von Lymphknoten am Hals ebenfalls eine komplette Ausräumung der Halslymphknoten (=Neck dissection). Bei jungen Patienten und bei sehr kleinen Tumoren (=sogenannte Mikrokarzinome) kann auch nur der befallene Schilddrüsenlappen entfernt werden und der Patienten wird dann anschließend engmaschigen Kontrollen unterzogen.

Die Radiojodtherapie wird bei Patienten durchgeführt, bei denen ein Schilddrüsenkarzinom operativ entfernt wurde. Dabei werden verbliebene einzelne Tumorzellen mit einem radioaktiven Jod-131 angereichert und diese sterben durch die Radioaktivität ab. Dabei ist es wichtig, dass der TSH Wert, welches die Produktion vom Schilddrüsenhormon reguliert, sehr hoch ist. Das kann einerseits durch die Nichteinnahme der Schilddrüsenhormontablette oder durch die Gabe eines rhTSH (=rekombinantes TSH) erreicht werden. Somit sind verbliebene Tumorzellen ´hungrig´ nach Jod und die Aufnahme des radioaktiven Jod-131 wird dadurch wesentlich erleichtert.

Nach der Radiojodtherapie werden regelmäßige Blutkontrollen durchgeführt und die Einstellung mit Schilddrüsenhormontabletten optimiert.  Jeder Patiente sollte ca. 3-6 Monate nach Dürchführung der Radiojodtherapie erneut eine rhTSH stimulierte Szintigraphie bekommen, um eventuell verbliebene Tumorzellen im Körper nachzuweisen. Sollten Tumorzellen nachgewiesen werden, ist eine weitere Radiojodtherapie sinnvoll. Als ebenfalls sehr wichtiger Tumormarker ist das Thyreoglobulin. Dieser Marker steigt bei Wiederauftreten der Erkrankung im Blut an. 

Ist die Szintigraphie und kein Thyreoglobulin im Blut nachweisbar, dann sollten regelmässige Thyreoglobulin Kontrollen in 3-6 Monaten durchgeführt werden. In den ersten 2 Jahren sollten engmaschige Kontrollen erfolgen und die dann auf 1 Jahres-Kontrollen ausgeweitet werden können. Thyreoglobulin und TSH-Werte im Blut und der Hals-Ultraschall sind die wichtigsten Kontroll- und Nachsorge-Untersuchungen bei Patienten mit Schilddrüsenkrebs. 

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